Chisau黐手, für viele die wichtigste Partnerübung im Wing Chun, wird von einigen mit "Klebende Hände" übersetzt, weil es für den Betrachter so aussieht, als würden die Hände der Trainingspartner aneinander kleben. Chi hat im Chinesischen viele Bedeutungen.

Das Chi Sao im Wing Chun Training. Lerne dich zu verteidigen in SaarbrückenDas Zeichen "Chi" 氣 steht ursprünglich für Wolken und Rauch und später für Rauchritual. Später und für die Kampfkunst relevant wurde die Bedeutung u.a zu Energie, Lebensenergie,etc. Das chinesische Zeichen für "Zhi" oder Tui  steht bei "Pushing Hands" (Taichi) für pressen. Pressen auf Kantonesisch bedeutet taap oder tok. Das Chi in Chisao 黐 steht aber für anheften , kleben" und "Klebende Hände" wäre also eine richtige Übersetzung und nicht Pressen.

Je nach Wing-Chun-Stil gibt es verschiedene Ausführungen beim Lernen von Chisau. Das Chisau im Pao Fa Lien Wing Chun soll eher dem Tuisau (pushing hands) des Taiji ähneln als dem Luksau (rollende Arme).

Von welchen Personen das Chisau als Partnerübung entwickelt wurde, konnte ich noch nicht herausfinden. So soll es im Karate auch eine Art Chisau geben, dass sich Kakie nennt. Das mag daher kommen, dass viele Karate-Konzepte aus dem White Crane Kung Fu stammen und dort eine Art Chi Sao vermutet wird – was jedoch nicht belegt ist. Das White Crane Kung Fu soll auch Einfluss auf das Wing Chun gehabt haben. Einige behauten sogar, dass es der Ursprung des Wing Chun Kuen sein soll. Das was ich im Netz an Videos zum Kakie fand, sah eher wie Pushing Hand aus als nach Chisau. Weiterhin gibt es im Hung Gar Kung Fu und im Mantis Kung Fu eine ähnliche Übung, die sich Kiusau nennt. Aber auch das was dort zum Mantis (Gottesanbeterin) Stil zu sehen ist, sieht aus wie Pushing Hands und nicht wie Chi Sao. Da es diese Partnerübung in Shaolin nicht gibt, muss Chisao später ins Wing Chun gekommen sein. In YouTube sind weder im Hung Gar, im White Crane noch in anderen Stilen, die man mit Wing Chun in Zusammenhang bringt, Übungen zu sehen, die dem Chi Sao entsprechen oder diesem systematisch gleichzusetzen wären. Auch im Shaolin Weng Chun oder in einigen anderen Wing Chun Zweigen lässt sich Luksau/ Luk Sao nicht finden. Man könnte annehmen, dass das Chi Sao keine frühe „Erfindung“ im Wing Chun war, sondern eher spät hinzukam.

Die Chisau Übung nimmt einen zentralen Platz im ganzen Wing Chun-Gebäude ein.
Chisau ist eine Partnerübung und dient u. a. dazu, die Sensibilisierung für Bewegungsenergien auszubilden und taktile Reflexe zu entwickeln.

Man lernt durch das Chisau Techniken spontan und ohne Vorbereitung ausführen zu können. Vorbereitung bedeutet, dass man ohne Nachdenken intuitiv handelt. Chisau ist somit auch eine Reaktionsschulung. Man übt Geschmeidigkeit und die korrekte Stellung der Ellbogen, Handgelenke, etc. Später kombiniert man Chi Sao und Schritte – also noch mehr Training u. a. der Balance.

Chisau dehnt aber auch und macht beweglicher. Weiterhin steigert regelmäßiges lernen und üben von Chisau als Nebeneffekt die Konditionellen Fähigkeiten. Wer als Anfänger schon nach 10 min verzweifelte und müde Arme bekam, wird nach einiger Zeit auch mal eine Stunde am Stück Chisao üben können. Das Chisao mit einem Arm nennt man Chi Dan Sau (Dan = Einzeln).

Chi Sao und Kum Kok

Ein weiteres wichtiges Thema finden wir im Insider 1 von Wilhelm Blech (Lok Yiu Wing Chun). Zitat: „Kum Kok ist die Wahrnehmung von Informationen durch den Kontakt von Armen oder Beinen.“
Kum Kok bezeichnet demnach die Fähigkeit, über diesen Kontakt Hinweise auf Schwachstellen des Gegners, seine Kraft sowie die Richtung und Veränderung dieser Kraft zu erhalten. Der Text legt weiter nahe, dass im Wing Chun großer Wert auf Kum Kok und auf Reflexe gelegt wird. Man geht davon aus, dass Reaktionen auf visuelle Wahrnehmungen deutlich langsamer sind als Reaktionen, die aus Kum-Kok-Reflexen entstehen. Entwickelt wird Kum Kok durch intensives Training, insbesondere durch Chi-Sau-Übungen.

Nach derzeitigem Stand der Recherche finden sich im WWW keine weiteren belegbaren Verwendungen des Begriffs „Kum Kok“ im Wing-Chun-Kontext.

感覺 - gam2 gok3 -> to feel,  to become aware of.

(Das Bild  ist nur  ein Schnappschuss während des Lernens und keine Trainingsvorlage zum Nachmachen.)

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